Veleda - Kommentare

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare zum Einführungstext

 

 

 

 

1) Nation: Natio heißt bei den Römern eine Gemeinschaft von Menschen gleicher Herkunft, Sprache und Religion. Für Tacitus sind die Germanen indigenas, ein unvermischtes Urvolk, die einzelnen Stämme bezeichnet er in seiner Germania abwechselnd mit den Worten gents und natio. Tacitus bezieht Nation aber nicht auf den Germanenbegriff, aus seiner Sicht eine Fremderfindung, sondern auf die von Mannus abstammenden 3 religiösen Volksgruppen, nationes, Ingävonen, Herminonen und Istävonen. Aus der natio Istävonen wurde später die natio Franken. Veleda und die Brukterer gehörten zu den Istävonen, Veleda war geistliches und politische Oberhaupt dieser natio.  
 

2)  Held: Den althochdeutschen helido kennen schon die Griechen als hḗrōs. In allen Kulturkreisen in den Jahrhunderten um Christi Geburt ist bei ihren Helden der Übergang Götter Helden fließend, so auch bei Veleda. Veleda war die germanische Heldin des ersten Jahrtausends nach Christus, sie ist eine der wenigen germanischen Frauen, die bis nach Rom Berühmtheit erlangt haben. Sie wurde vom Volk der Istävonen als Göttin verehrt, laut Tacitus wohnte ihr etwas Heiliges inne. Veleda hat die Brukterer ermutigt, sich am Rheinkrieg 69/70 zu beteiligen. Sie hat zwar nicht (heldenhaft) auf dem Schlachtfeld gekämpft (wie Boudicca und Jeanne d'Arc, die englische und die französische Nationalheldin vor und nach ihr), aber sie hat die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Volkes gegen den römischen Machtanspruch klug verteidigt.
 

3)  Deutsch: Deutsch ist zunächst einmal die Sprache, die von den Römern als lingua teutisca oder lingua theodisca bezeichnet wurde und sich aus germanisch thiodisk, dann diutisc, "dem Volke gehörig", ableitete. theodiscus heißt auch im Römischen "dem Volke gehörig", theudisk meint westfränkisch das Gleiche. diutisc heißt das althochdeutsch, "Diutschin sprechin, Diutschin liute, in Diutischemi lande" dann 1090 im Annolied aus Siegburg. Aber schon um Christi Geburt sprach man in Germanien Deutsch. Vater (fađer) und Mutter (mōđer) waren genau so bekannt wie ich (ek) und du (þu). Da Veleda nicht nur Latein als Fremdsprache, sondern als Brukterin auch ihre Muttersprache diutisc, deutsch, sprach, kann sie als Deutsche bezeichnet werden. Aus der gemeinsamen deutschen Sprache entwickelte sich nach und nach das deutsche Volk.
 

4) Veleda, Name: Veleda ist ohne Zweifel der germanisch-brukterische Eigenname der historisch bezeugten Veleda. Veleda ist kein Gattungsname für eine germanische Priesterin, wie spekuliert worden ist (vgl. P. Kehne u. P. Scardigli 2006). Aufschlussreich ist die Darstellung bei W. Meid,1962, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck. Meid gilt als international führender Indogermanist und Keltologe. Für ihn ist Veleda ein germanischer Personenname. Laut W. Meid ist auch die Statius-Schreibweise von Veleda die richtige. Auch Tacitus, der keltische und germanische Eigennamen phonetisch sehr genau wiedergegeben haben soll, schreibt sechsmal Veleda. Die französische Schreibweise Velléda oder ältere, vor allem aus der späteren griechischen Schreibweise abgeleitete Eindeutschungen wie Velleda, Weleda (H. Volkmann) oder der Vorschlag Velēda bleiben aber sprachwissenschaftlich interessant

 
5) Veleda in den Quellen: Die Veleda-Geschichte wurde uns vor allem von Publius Cornelius Tacitus überliefert. Das Desinteresse griechischer oder römischer Geschichtsschreiber an bedeutenden germanischen geschichtlichen Persönlichkeiten beklagt Tacitus selber in seinem Annalen-Bericht über Arminius: Tacitus: “Die griechische Geschichtsschreibung, die nur die eigenen Taten bewundert, kennt ihn nicht, und bei den Römern spielt er nicht die ihm gebührende Rolle, da wir die alte Geschichte rühmend hervorheben, und der neuen gleichgültig gegenüberstehen” Tac.Ann.II, 88, 3. Dieses Desinteresse anderer zeitgenössischer Geschichtsschreiber war auch bei Veleda vorhanden, germanische Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt es nicht. Publius Cornelius Tacitus war 69/70 n. Chr., als der Rheinkrieg stattfand, 11 oder 12 Jahre alt, quasi Zeitzeuge der Ereignisse. Sein Rhetoriklehrer war Marcus Aper, 46 Jahre alt. Aper stammte aus Gallien und nahm 43 n. Chr. unter Claudius am Britannienfeldzug teil. Aper kannte aus eigener Anschauung die Zustände in Gallien, Germanien und Britannien, er kannte auch die politische Lage vor Ort. Tacitus selber gibt in seiner Schrift Dialogus de oratoribus Auskunft über seinen Rhetoriklehrer. Auch Iulius Secundus war Tacitus-Rhetoriklehrer und Gallier, er war Neffe des Redners Iulius Florus, Altersgenosse und Freund von Quintilian und ein bedeutender Anwalt in Rom. Quintilian war bei Ausbruch des Rheinkrieges 34 Jahre alt, als Vespasian in Rom öffentliche Rhetorikschulen einrichtete, wurde Quintilian dort der erste staatlich besoldete Lehrer der Rhetorik. Secundus, sein Freund, wird gleich alt gewesen sein. Dass Aper und Secundus mit ihrem Schüler Tacitus nicht über die Ereignisse der Jahre 69/70 am Rhein gesprochen haben, ist unwahrscheinlich. Auf jeden Fall müssen die Geschichten, die Tacitius als Schüler aus erster Hand gehört hatte, ihm so im Gedächtnis verhaftet gewesen sein, dass er dem Rheinkrieg 69/70 einen bedeutenden Platz in seinen Historien einräumte (vor allem IV, 12-37, IV 54-79 und V 14-26; 27ff sind verschollen).  Im Jahr 77 n. Chr., als Veleda von Gallicus nach Rom gebracht wird, heiratet Tacitus die Tochter des Konsuls Gnaeus Iulius Agricola und wird Senator unter Vespasian. Das Tacitus und Veleda sich getroffen und persönlich gekannt haben, ist wahrscheinlich. Tacitus berichtet: " Wir selbst haben unter dem verewigten Vespasian jene Veleda gesehen" (Vidimus sub divo Vespasiano Veledam, Germania, Kap. 8). Tacitus wird auch mit Vespasian über Veleda gesprochen haben. Tacitus kannte vielleicht auch Petilius Cerialis persönlich, der im April 70 die Nachfolge von Vocula als Oberbefehlshaber der römischen Rheinarmee angetreten hatte und die römische Armee bis Kriegsende anführte.  Von 71-74 war Cerialis Statthalter von Britannien, im Mai 74 wurde er zum zweiten Mal Suffektkonsul in Rom. Als Tacitus 105-109 n. Chr. seine Historien veröffentlichte, war der Rheinkrieg zwar schon 35 Jahre Vergangenheit, aber Tacitus hatte neben eigener Erinnerung und den mündlichen Berichten von Cerialis und anderen Zeitzeugen auch Zugriff auf Senatsakten und zeitgenössische Geschichtswerke, die allerdings nicht erhalten sind. So benutzte Tacitus als Quelle ausgiebig die Germanenkriege und die Historien des älteren Plinius. Gaius Plinius Secundus Maior kommandierte mehrere Militäreinheiten in verschiedenen Provinzen. 47 war er am Triumph über die Chauken beteiligt, 50/51 kämpfte er im heutigen Nordhessen. Plinius begleitete zudem als Vertrauter von Vespasian und Titus deren Feldzüge nach Germanien. Plinius verfasste eine Abhandlung in zwanzig Büchern über die römischen Germanienkriege sowie eine Darstellung der römischen Geschichte in 31 Büchern (alle verschollen). Auch das Geschichtswerk des Fabius Rusticus (verschollen) nutze Tacitius. Der Name Veleda taucht außerdem im Gedichtsband Silvae von Publius Papinius Statius auf, der 96 n. Ch. in Neapel starb. Auch Cassius Dio erwähnt im 67 Band seiner Römischen Geschichte Veleda. Cassius Dio starb um 229 n. Ch.


6)  30 n. Chr.: Veledas Geburtsjahr ist nicht bekannt und kann nur von überlieferten Ereignissen aus zurückgerechnet werden. 69, als der Rheinkrieg begann, war sie die Priesterfürstin der Istävonen. Da ihre Wahl beim letzten Thing stattgefunden haben muss, der nur alle 9 Jahre stattfand (der Thing von 9 n.Chr. ist überliefert), muss sie spätestens 63 gewählt worden sein. Vorher war sie anscheinend einige Jahre Priesterin einer Untergruppe der Istävonen, der Lippe-Brukterer. Da Veleda zuvor Latein gelernt hatte, muss Sie zwischen 50 und 55 zu den Brukterern zurückgekehrt sein. Wenn sie zur Ausbildung in Rom war, so war sie vermutlich um 50 n. Chr. ca. 20 Jahre alt. Das genaue Geburtsjahr spielt für ihre historische Bedeutung keine Rolle.


7)  Stammsitz der Lippe-Brukterer: Germanische Fürsten hatten ihre befestigten Stammsitze an den Kreuzungen von Handelsrouten, Hellwegen und Flüssen. Die verkehrstechnische Bedeutung von Lippstadt in der römischen Kaiserzeit wird im Kapitel "Lippstadt zur Zeit Veledas" dargestellt. Schmidt 1938/40 versteht Strabos Angaben zu Lippe und kleinen Brukterern wie folgt: “Die Stelle ist wohl so zu verstehen, dass die kleinen Brukterer an der Lippe in 100 km Entfernung vom Rhein, d.h. in der Gegend von Lippstadt, wohnten”
 

8)  Lippstadt (Lupia oppidum, Luppia, Lippe): Für mindestens 1500 Jahre war die Stadt an der Lippe namensgleich mit dem Fluss. John Lemprière stellt 1788 in seinem classical dictionary fest: "Lupias or Lupia, now Lippe, a town of Germany, with a small river of the same name." Tacitus spricht meist von Lupia flumen, vielleicht um die Stadt vom Fluss zu unterscheiden. Zu Lupia oppidum liefert er keine Erkenntnisse. Lupias ( Λουπίας) bei den Griechen wird wohl deshalb mit "s" am Ende geschrieben, weil im Altgriechischen Flüsse männlich sind. Ptolemäus trägt mit seiner Stadt Luppia (Λουππία) zur Verwirrung bei. Scheinbar verwechselt er die Stadt Lupia mit dem Fluss, genau wie Strabo, der Lupias, die Lippe, als 600 Stadien vom Rhein entfernt bezeichnet (600 Stadien = 110 km entfernt ist die Stadt Lupia; laut L. Schmidt (1938, 1940) ist "die Stelle wohl so zu verstehen, dass die kleinen Brukterer an der Lippe in 100 km Entfernung vom Rhein, d.h. in der Gegend von Lippstadt wohnten". Konrad Mannert bezeichnet Lupia als eine Stadt des inneren Landes und bezieht sich dabei auf Strabo. Mela weiß, dass Moenus (Main) und Lupia (Lippe) in Rhenum (in den Rhein) fließen. Cassius Dio weist auf den Zusammenfluss von Λουπίαν (Lippe) und  Ἐλίσων (Elison), hin, an dem Drusus eine Festung anlegte. Im ersten Jahrtausend nach Christus wurden Lupia und Luppia zu Lippia, beide Begriffe finden sich z. B. bei Eberhard Gottlieb Graff, 1835-43. 1129 kennt man immer noch die "Nobiles de Lippe", die edlen Herren von der Lippe, 1396 vergibt Graf Simon der Dritte Privilegien an die "Stadt Lippe", der Ausdruck "in unserer Stadt Lippe" taucht 1535 in einem anderen Dokument auf. Der Circulus Westphalicus von 1645 zeigt die Stadt Lippe, ebenso die Graphik von Matthaeus Merian von 1647, die Karte Belagerung der Stadt Lippe von 1623 ebenso wie der Stich von Baun- Hogenberg, ebenfalls aus dem 17. Jh. Der Flussname Lupia wird bei Pomponius Mela, Velleius Paterculus, Tacitus, Strabon, Cassius Dio, außerdem als 'Lippefurt' bei Ptolemäus genannt. S. Gutenbrunner, 1936, versucht die Herkunft des Namens und den phonetischen Übergang u auf i zu klären. Eine Hypothese besagt, dass beide Aussprachen schon zur Zeit Veledas existierten, wobei die Lippe am Unterlauf Lupia und am Oberlauf im Gebiet der Lippe-Brukterer Lipia hieß. Das lateinische Wort lupus, Wolf, könnte gallisch vlipia geheißen haben (v wie w ausgesprochen). Gutenbrunner: "Die Form mit -i- muss also schon in älterer Zeit neben der mit -u- bestanden haben"; siehe auch: "Lupia s. Luppia, opp. Germaniae in Sicambris ad fluvium ejusdem nominis; h. Lippe od. Lippstadt", Müller 1831., Maurer 1869 hierzu: "Viele römische Castelle und andere von den Römern befestigte Orte sind jedoch unter der germanischen Herrschaft entweder ganz wieder verschwunden, oder sie sind zu Dörfern herabgesunken und haben sich erst in späteren Zeiten wieder zu Städten erhoben. In die letzte Klasse gehört auch ... Lippstadt in Westphalen. Dieser Ort war unter der Römerherrschaft ein an der Lippe erbautes Castell (castellum lupiae flumini oppositum). ... Erst zu späterer Zeit ist der Ort ummauert und sodann Lippstadt genannt worden", S. 12


9)  Großer Freiheitskampf: Wie so häufig in der historisch richtigen Beurteilung von geschichtlichen Ereignissen ist der Standort des Betrachters, aber auch die zeitgeschichtliche Erfahrung entscheidend. So war für viele zeitgenössische römische und griechische Historiker der Rheinkrieg 69/70 nur eine Randerscheinung der Geschichte und kaum erwähnenswert. Einiger moderne Historiker haben später versucht, den Bataveraufstand allein als innenpolitisches Ereignis des Vierkaiserjahres darzustellen (bellum internum).
Beide Sichtweisen entsprechen nicht mehr den heutigen Erkenntnissen. Der Würzburger Althistoriker D. Timpe verweist 2006 sowohl auf die breite quantitative, als auch auf die hohe qualitative Darstellung der Ereignisse bei Tacitus, auf dessen  andersartige "Einschätzung der historischen Relevanz" und betont dessen ausdrückliche Zurückweisung der "Geringschätzung" der Ereignisse durch dessen Vorgänger. Von einer "Existenzgefährdung Roms", wie spätere Autoren in Anlehnung an Tacitus sprechen, kann allerdings auch nicht die Rede sein. Das Ziel des großen Freiheitskampfes der Germanen, also die Selbstbestimmung der germanischen Völker und die endgültige Befreiung von römischer Fremdherrschaft, wird einige Jahrhunderte nach Christi Geburt erreicht. Die Brukterer als mächtigster zentraler Volksstamm in Westfalen haben 69/70 einen 30jährigen, zwar verlustreichen, aber letztendlich siegreichen Krieg gegen die römischen Besatzer hinter sich und die Gründung der Franken vor sich. Die Beteiligung der Brukterer am Rheinkrieg 69/70 steht an zentraler Stelle in diesem historischen Zusammenhang. Das hohe Selbstbewusstsein der Brukterer, dass sich in der Namensgebung Franken und in den späteren Erfolgen dieses Zusammenschlusses ehemaliger verfeindeter Stämme zeigt, ist ohne ihre eigenen Erfolge im 30jähren römisch-germanischen Krieg und ohne den Rheinkrieg so nicht denkbar. Aus antiker römischer Sicht mag der Rheinkrieg 69/70 einer Randerscheinung der römischen Geschichte gewesen sein, aus heutiger deutscher Sicht hat der Rheinkrieg die weitere deutsche und europäische Geschichte mehr geprägt, als so manch’ anderer europäischer bewaffneter Konflikt vor und nach diesem Ereignis. "Veleda besaß längere Zeit eine gewaltige Sakralität, Entschiedenheit und Anziehungskraft", urteilte der Althistoriker P. Kehne 2004. An anderer Stelle schreibt er ihr "politische Klugheit" zu. Für R. Bruder, 1974, war Veleda eine "einflussreiche politische Instanz".


10) 80er Jahre: "Sie starb Anno 81 der christlichen Zeitrechnung" schrieb Johann Anton Arnold Möller in seiner Schrift Special Geschichte von Lippstadt, Lippstadt, 1788

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare zu Veledas Herkunft

 

 

 

 

1) Lippe-Bukterer: "Unstreitig bildeten diese Brukterer das mächtigste unter den istävonischen Völkern", Müller 1840, S. 130.  

 
2)  Die Ems-Brukterer wurden 97 in einem Krieg, den Chamaven und Angrivarier gemeinsam gegen sie führten, vernichtend geschlagen, ihr Land ging in den Besitz der Verbündeten über. Die Überlebenden zogen sich ins Gebiet südlich der Lippe zurück. Auf der Ptolemäus-Karte von 150 erscheinen sie aber noch als Bewohner des Münsterlandes, nach: Ludwig Schmidt, Die Westgermanen, München 1938 und 1940

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3) Aliso I: Die These, dass Cappel das Aliso-Lager ist, wurde jahrhundertelang immer wieder geäußert. Die Liese fließt 3-4 km nördlich der Lippe in die Glenne, die Glenne 3-4 km nach der Liesemündung in die Lippe. A liso, lat., “nahe der Lise”, Elison, griechisch, “nahe der Liese” ?  Meinungen: “Cappel, welches bekanntlich zu den vermutlichen Aliso-Plätzen zählt”, so Nordhoff, 1898, S.27; auch: “Tiberius führte sein Heer den Winter nicht wieder zurück über den Rhein, sondern schlug das Lager an der Lippe, allem Ansehen nach, bei Lippstadt auf”, Bünau, 1728, S.166


4) Pontes longi: Beim pontes longi handelte es sich um einen Knüppeldamm, den römische Ingenieure konstruierten und römische Pioniere bauten. Er bestand aus vielen quer zur Fahrtrichtung verlegten Eiche- oder Buchestämmen, auf denen eine Kiesschotterschicht aufgebracht wurde. Der Knüppeldamm überbrückte als langer stabiler Damm sumpfiges Gelände und war ein römischer Standardbau auch in Germanien. In Köln am Waidmarkt wurde ein 17 n.Ch. gebauter Damm ausgegraben, der von Westen kommend bis 200 m vor das südliche Stadttor verlief und ebenfalls sumpfigen Grund überspannte.


5) Tamfana: Die Istävonen hatte auch eine weibliche Obergottheit, Tamfana (Tamphana, Tanphana), die in einem eigenen Tempel verehrt wurde (Tacitus berichtet von einem tempulum). Dieser Tempel wurde 14 n. Chr. von Germanicus zerstört. Der Tamfana-Tempel stand im Gebiet der Sugambrer. Die Sugambrer (Sigambri) wohnten zur Zeit Cäsars östlich des Rhein, vom Niederrhein bis zum Westerwald und östlich bis zur Diemel. Im Territorium nördlich der Lippe ließen Sie 55 v. Chr. freiwillig auch Usipier und Tenkterer siedeln. Sie waren die ersten rechtsrheinischen Germanen, die sich heftige Gefechte mit Cäsar und Augustus lieferten. 16 v. Chr. waren sie unter ihrem König Mälo siegreich gegen Lollius, dem damaligen Oberbefehlshaber von Niedergermanien. 8 v. Chr. wurden die Subambrer durch eine Hinterlist des Augustus ihrer Führungsschicht beraubt und unter Tiberus zum Teil auf die linke Rheinseite umgesiedelt. Der rechtsrheinische Teil kämpft 9 nach Chr. mit den Cheruskern und Brukterern gemeinsam gegen Varus. 16 n. Chr. wurde Deudorix, Sohn von Maelos Bruder Baetorix, von Germanicus gefangen genommen und 17 n. Chr. in Rom vorgeführt. Nach Christi Geburt hatten die Marser (eventuell eine Abspaltung der Sugambrer) das Gebiet zwischen Lippe und Ruhr besiedelt. Zwischen Rhein und Marsergebiet lag ein dichtes Waldgebiet (silva Caesia). Auch die Marser kämpften gegen Varus und erbeuteten einen Legionsadler. Sie übernahmen wohl auch die Verantwortung für den Tamfana-Tempel. Die Zerstörung des Tamfana-Tempels fand im September 14 n. Chr. statt. Die Zerstörung des Tempels war Hauptzweck des Germanicus-Feldzuges im Herbst 14. Germanicus baute zu diesem Zweck bei Xanten eine Schiffbrücke über den Rhein und marschierte mit 2 Legionen, 26 Kohorten und 8 Alen auf dem Tiberius-Durchhau durch die Wälder zwischen Lippe und Ruhr nach Osten ins Marsergebiet. Abends errichteten sie Läger. Caesina marschierte mit Pioniereinheiten voraus und machte das dichte Waldgebiet gangbar. Am 23.09.14 feierten die Marser und die Lippe-Brukterer in ihren Dörfern Erntedank, das höchste germanische Fest des Jahres. Es wurde viel Alkohol getrunken. Bei Anbruch der Nacht teilte Germanicus sein Heer in vier Kollonnen und überfiel die Dörfer der unbewaffneten Germanen südlich von Lippstadt und Paderborn. Männer, Frauen und Kinder wurden von Germanicus niedergemetzelt, die Dörfer südlich der Lippe in Brand gesteckt. Nach dem Massaker wurde der Tafana-Tempel (in Olsberg: Bruchauser Steine auf dem Istenberg oder in Obermarsberg: Eresburg) dem Erdboden gleichgemacht. Auf dem selben Wege, den er gekommen war, trat Germanicus anschließend den Rückzug an. Wütende Germanenstämme, Brukterer, Chattuarier, Usipier, Tenkterer, Tubanten machten unverzüglich mobil und griffen Germanicus auf seinem Rückweg immer wieder an, konnten seine Truppen aber nicht besiegen.

6) Schlacht bei Lippstadt: S.G. Schoppe 2009 schreibt: “Caesina musste den Haarstrang-Hellweg Richtung Kneblinghausen gewinnen um von dort zum Rhein zu gelangen. Die breite Römerstaße auf dem Lippeufer war 9. n. Chr. größtenteils zerstört worden. So zog er in die Pontes Longi bei Wiedenbrück, die auf geradem Wege den Ems-Lippe-Bruch der Brukterer bis Lippstadt-Cappel und Erwitte überwanden (in etwa heute die Strecke: Wiedenbrücker Hellweg - B55)”. Caesinas 4 Legionen (mind. 20.000 Soldaten) wurden von Cheruskern und Bruketerern angegriffen und etwa die Hälfte der römischen Soldaten wurde getötet.   
 

 

 

 

 

 

 

Kommentare zu Lippstadt

 

 

 

 

1) Lippstadt-Cappel: Bei Lippstadt-Cappel endete die Lippe-Norduferstraße (Lippehellweg) der Römer. Der Hellweg ist noch auf Karten von 1839 eingezeichnet. Außerdem gab es einen Lippeübergang zur Lippe-Süduferstraße (Postweg). Der Übergang lag zwischen “Zur Borg” am Südufer und dem “Nomke-Hof” am Nordufer. In Cappel verließ die Norduferstraße die Ostrichtung und bog nach Norden ab die Glenne/Liese hoch, vorbei an der Hünenburg nach Stromberg (Friesenweg). Sowohl südlich der Lippe als auch nördlich gab es alte germanische Kultplätze. Davon zeugen auch die späteren Klostergründungen Kloster Benninghausen, Kloster Liesborn, Stift Cappel. Nordhoff, 1889, vermutet bei Lippstadt-Cappel den Berührungspunkt “der drei streitbaren Völker Brukterer, Cherusker und Sugambrer”. Zwischen Lippe und Liese soll, einer alten Sage nach, der “Mann im goldenen Sarge” begraben liegen. 

 

 

 

 

 

 

Kommentare zu Veledas Ausbildung

 

 

 

 

1) Ausbildung ihrer Kinder: " adeo ut efficacius obligentur animi civitatum, quibus inter obsides puellae quoque nobiles imperantur", Tacitus, Germania, 8, Aus diesem Grunde kann man einen Stamm noch wirksamer binden, wenn man unter den Geiseln auch vornehme Mädchen von ihm fordert" in der Übersetzung von Manfred Fuhrmann, ehemal. Prof. für klassische Philologie in Kiel und Konstanz, in Reclam 1972

 

 

 

 

 

 

Kommentare zu Veleda wird geistliches und politisches Oberhaupt

 

 

 

 

1) Veleda-Höhle: In der Veleda-Höhle in Bestwig-Velmede soll Veleda der Sage nach zeitweilig gelebt haben. Die Höhle ist 12 km von den Bruchhauser Steinen auf dem Istenberg bei Olsberg-Bruchhausen entfernt, einer alten Tanfana-Kultstätte. Die Veleda-Höhle liegt 40 km südlich von Lippstadt. Erste Funde wurden 1842 getätigt, 1909 und 1911 untersuchte Carthaus die Höhle. Gefunden wurden eisenzeitliche Scherben, Bronzeschmuck, Glasperlen, Getreidereste und Feuerstellen. Bezeugt sind österliche christliche Prozessionen zur Höhle, wahrscheinlich mit Opfergaben für Veleda. Ein zeitweiliger kontemplativer eremitischer Aufenthalt von Veleda in der Höhle ist vorstellbar. Die Region südlich von Lippstadt ist überaus reich an alten Kultstätten. .W. Thiele und H. Knorr untersuchen in ihrem Buch "Der Himmel ist unter uns" 240 Kirchenstandorte im südlichen Westfalen in ihrer Beziehung zu alten heidnischen Stätten (Kulturkontinuität) und erkennen in der Anordnung der Kirchen ein Abbild des Sternenhimmels. Die Höhle selber wird in alten Sagen auch mit der Geschichte von Frau Holle in Verbindung gebracht. Auch diese Sage hat eine alte germanische Tradition. Wissenschaftlich wird Frau Holle zu den germanischen Göttinnen Frigg, Hel und Nehalennia in Beziehung gesetzt.


2) Gerichtstag: "ceterum neque animadvertere neque vincire, ne verberare quidem nisi sacordotibus permissum, non quasi in poenam nec ducis iussu, sed velut deo imperante, quem adesse bellantibus credunt", Tacitus, Germania, 7, "Übrigens ist es nur den Priestern erlaubt, jemanden hinzurichten, zu fesseln oder auch nur zu schlagen, und sie handeln nicht, um zu strafen oder auf Befehl des Heerführers, sondern auf Geheiß der Gottheit, die, wie man glaubt, den Kämpfenden zur Seite steht" in der Übersetzung  von Manfred Fuhrmann, ehemal. Prof. für klassische Philologie in Kiel und Konstanz, in Reclam 1972


3) Hoher Turm: Hatten die Brukterer Türme ? K. Mannert glaubte 1829, dass der Veleda-Turm “ein Überbleibsel aus der Römer Aufenthalt an der Lippe”  gewesen sei (S. 61). Römische Wachtürme kennen wir vom Limes. Von Archäologen wurden Römertürme auch außerhalb der Limeslinie gefunden, nicht nur im Zusammenhang mit Stadtbefestigungen. Signaltürme, die dem Nachrichtenaustausch dienten, sind bezeugt (z.B. bei Bad Nauheim und Bliesen). Wenn Aliso am Zusammenfluss von Liese und Lippe lag, war das Lager mit einem Wachturm ausgestattet. Aber auch ohne großes Lager ist ein Signalturm eine logische Konsequenz der damaligen Topographie. Die von den Römern angelegte rechtslippische Militärstraße bog beim Gut Schulte Nomke nach Norden ab und führte über die pontes longi und das Sumpfgebiet (Lipperbruch) zur Ems. Zwischen linkslippischer Militärstraße und rechtslippischer hatten die Römer bei Schulte Nomke eine Brücke über die Lippe gebaut. Militärstrategisch war die Mündung der Liese in die Lippe
ideal für einen Signal- oder Wachturm, zumal eine natürliche Geländeerhebung fehlte. Undenkbar ist dagegen, dass ein solcher Militärturm mitten in feindlichem Bruktererland ohne militärischen Schutz einfach so dastand. Der Liese/Lippe-Turm war durch ein römisches Standlager geschützt, dass allerdings noch nicht wiederaufgefunden worden ist.
Aber auch ein Brukterer-Turm ist denkbar. Wenn Veleda die Tochter des Lippe-Brukterer-Königs war, kann der Turm auch Teil einer Burganlage gewesen sein. Die Nobiles de Lippe, die edlen Herren um 1000 n. Chr., hatten zwei Burgen bei Lippstadt, die östliche Burg bei Lipperode und die westliche Burg (Hünenburg) am Zusammenfluss Liese/Lippe. Die Hünenburg ist der geschichtsträchtigerer Ort. 936 hatte hier Heinrich der Vogelsteller gegen Hunnen gekämpft, 784 war Karl der Jüngere hier erfolgreich gegen die Sachsen. Lippstadt wurde von Drusus befestigt, behauptete Bünau 1728 und in der Tat berichtetet Esselen 1861 über entsprechende Funde südwestlich von Beckum (Schwertklingen, Spitzen von Wurf- und Stoßwaffen, Reste von Messern und Dolchen, Pferdegeschirr, chirurgischen Instrumenten, Schnallen, Broschen. Auf einer bronzenen Zange oder Pinzette waren Schriftzeichen der römischen 19. Legion, deren Legionsadler die Brukterer 9 n. Chr. in der Varus-Schlacht erbeutet hatten, eingraviert. Die Spitzen und Stoßwaffen entsprachen laut Esselen genau denjenigen, die in im Römerlager Xanten gefunden wurden. Keltische Schmuckfunde bezeugen, dass der Platz vorrömisch war, andere Schmuckstücke können eher den Franken und Sachsen zugeordnet werden. Germanische Grabhügel an dieser Stelle des Friesischen Hellweges wurden auch gefunden, ebenso Urnen. Die Hünenburg könnte daher durchaus germanischen Ursprungs gewesen sein, auch wenn Hölzermann 1878 an dieser Stelle eher ein römisches Prätorium gefunden haben will. Wer auch immer die Hünenburg gegründet hat, 30 nach Chr. kann Veleda hier geboren worden sein und später an dieser Stelle residiert haben.

 

 

 

 

 

 

Kommentare zum Bataveraufstand

 

 

 

 

1) Veleda und der Bataveraufstand: Die Verbindung von Civilis mit seinen rechtsrheinischen Verbündeten bezeichnet der Würzburger Althistoriker Dieter Timpe  als "konstitutiv" und "geradezu symbiotisch". Übersetzt heißt das bei ihm, dass Civilis als "Initiant des Aufstandes" nicht nur die Verbindung mit Veleda als Voraussetzung für seinen Kampf gegen Rom ansah, "mit germanischer Unterstützung rechnet der Bataver von Anfang an", sondern die Verbindung war für Civilis "ein entscheidender strategischer Faktor", vor allem konnte sich Civilis so die Unterstützung der aufständischen gallischen Stämme sichern, ohne sich ihnen unterordnen zu müssen. Civilis verweigerte bekanntlich den Eid auf Gallien. Die Bedeutung von Veleda beim Rheinkrieg 69/70 ergibt sich aus einer Fülle von Einzelerkenntnissen. Zum einen wird weder bei Tacitus, dessen Bericht laut Timpe der "Bericht eines Offiziers der Germania inferior zugrunde" zu liegen scheint, wie auch in allen anderen uns bekannten Darstellungen der Ereignisse, keine andere Führungsperson der rechtsrheinischen Germanenstämme als ausschließlich Veleda erwähnt. Die Tacitus-Darstellung ist laut der Analyse von Timpe streckenweise erstaunlich detailliert, mit "nicht erwartbaren Namen" oder "Curiosa". Hätte andere Heerführer der Brukterer, Tenkterer usw. eine militärische oder politische Bedeutung im Rheinkrieg eingenommen, wären sie mit Sicherheit namentlich erwähnt worden. Zum zweiten wird Veleda nicht nur einmal in den Historien erwähnt, sondern achtmal, zu verschiedenen Zeitpunkten und im Zusammenhang mit verschiedenen Ereignissen des Rheinkrieges. Aber auch unabhängig von den Kriegsereignissen wird Veleda von römischen und griechischen Historikern namentlich genannt. Schon in seiner Germania, die Tacitus einige Jahre vor seinen Historien niedergeschrieben hat, erwähnt er Veleda unabhängig von der Schilderung der Kriegsereignisse. Statius nennt Veleda zuvor in seinen Silvae, Cassius Dio in Band 67 seiner Römischen Geschichte